[Wienerwaldkonferenz] Asphalt auf Forst- und Waldwegen

Kalchhauser kalchhauser at gmx.at
Mo Mai 9 10:26:16 CEST 2011


 
Alt-Asphalt gefährdet laut Arzt Wasser 

 


Klärmüll längst verboten

 

  Von Maria Reisigl

 

   Innsbruck - Es ist ein günstiger Baustoff, und er eignet sich laut Recyclingbetrieben gut, um Flächen zu planieren, Einfahrten zu begradigen oder als günstiger Belag für Wege und Straßen. Zwischen acht und zehn Euro kostet eine Tonne recycleter Asphalt, um ein Vielfaches weniger als neuer Asphalt.

 

   Gut und günstig, allerdings mit einem groben Schönheitsfehler, warnen Kritiker: "Wiederaufbereiteter Asphalt enthält gesundheitsgefährdende Stoffe", schlägt der Innsbrucker Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski Alarm. 

"Im Asphalt stecken polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe - PAKs, die stark krebserregend sind", warnt Ledochowski. 



Hinzu kommt, dass Asphalt, der vor 1980 hergestellt wurde, gefährliche Polychlorierte Biphenyle (auch bekannt als Dioxine) enthalte. Diese würden seit Jahrzehnten durch den Regen ausgewaschen und versickern.

 

   Recycleten Asphalt auf Bergstraßen und Almwegen aufzubringen hält er deshalb für äußerst bedenklich. "Die Schadstoffe gelangen mit der Zeit ins Trinkwasser", sagt er und zeichnet ein düsteres Szenario. "Für die nächsten Generationen ist das enorm gefährlich." Denn das "Wasser werde in den nächsten zehn bis 20 Jahren erhöhte Schadstoffwerte aufweisen und die Schadstoffe können damit in die Nahrungskette gelangen. "Es kann mitunter sogar ungenießbar werden."

 

   Auf vielen Wegen und Straßen in ganz Tirol wurde und wird das Material noch immer aufgebracht. Hauptabnehmer des wiederaufbereiteten Baustoffs sind laut den recyclenden Betrieben Gemeinden und private Häuslbauer.

 

   Normalerweise wird Asphalt als Müll eingestuft und landet auf einer Deponie. Dort wird er je nach Bedarf wiederaufbereitet. Dazu werden die von Straßen abgefrästen Brocken gebrochen, bis sie kleiner als 16 Millimeter sind, erklärt Roland Killinger von den Fröschl-Tochterfirmen Gubert und Tel-Kies. Etwa 5000 bis 7000 Tonnen Asphalt werden dort pro Jahr wiederaufbereitet.

 

   Bleibt der Asphalt auf der Deponie, ist ein Altlastensanierungsbeitrag zu zahlen. "Wird der Asphalt aber recyclet, dann ist er von diesem Altlastensanierungsbeitrag befreit", erklärt Reinhard Bichler vom Innsbrucker Zollamt. Dort wird kontrolliert, wie viel Asphalt in Tirol deponiert oder eben wiederaufbereitet wird.

 

   Wird das wiederaufbereitete Asphalt-Granulat auf eine Fläche aufgebracht und gewalzt, dann ergibt sich eine dichte, asphaltähnliche Oberfläche. Durch Wärme verbindet das vorhandene Bitumen die Teile miteinander. "Das schafft einen sehr günstigen, staubfreien Bodenbelag, der sich für Einfahrten oder auch steile Wege sehr gut eignet", sagt Killinger. Recycleten Asphalt auf Waldwege und Bergstraßen aufzubringen, hält er allerdings für bedenklich. "Es können ja auch Ölflecken auf dem alten Asphalt sein, und die sind sicherlich nicht gut." Das bestätigt auch Ernährungsmediziner Ledochowski. Der Asphalt sei - je nachdem, wie befahren die Straße war - mit Schadstoffen wie Reifenabrieb, Ölresten und Abgasen belastet, die sich auswaschen können und langfristig in die Nahrungskette gelangen.

 

   "Unsere Generation und auch vielleicht die nächste wird es nicht mehr spüren, aber danach dürften deutlich mehr Missbildungen und Krankheiten auftreten", ist der Ernährungsmediziner überzeugt. Denn über das Wasser gelangen die Schadstoffe in Pflanzen und Tiere und damit letzten Endes auf den Teller und in den menschlichen Körper, warnt er. Von gebundenem Asphalt ist eine solche Gefahr kaum gegeben, da hier die Schadstoffe nicht so leicht ins Grundwasser gelangen.

 

   Das Land sieht das Problem weit weniger dramatisch. In der Umweltabteilung geht man davon aus, dass keine Gefahr aus altem Asphalt droht. "Er unterliegt sehr strengen Qualitätskontrollen", heißt es dort. Nur wenn er unbedenklich ist, dürfe er aufgebracht werden. Außerdem werde er eher in geringem Ausmaß etwa auf Forststraßen oder Almwegen verwendet, argumentiert man dort. "Sonst dürfte man ja auch keine normalen Straßen asphaltieren, wenn es gefährlich wäre."

 

   Und das Umweltministerium bestätigt: Die Richtlinien des Österreichischen Baustoffrecyclingverbandes schreiben recycleten Baustoffen - zu denen auch Asphalt gehört - strenge Qualitätsanforderungen vor. Die möglichen Anwendungsbereiche - ob etwa als Tragschichtmaterialien im Straßenbau oder als Schüttmaterial - orientieren sich demnach an diesen Kriterien. Ausschlaggebend, ob recycleter Asphalt für einen Weg verwendet werden darf oder nicht, ist, ob dieser in hydrogeologisch sensiblen oder weniger sensiblen Gebieten liegt.

 

   So dürfen in hydrogeologisch sensiblen Gebieten nur Recyclingbaustoffe der höchsten Qualitätsklasse in ungebundener Form ohne Deckschicht eingesetzt werden.

 

   Der Landesumweltanwalt sieht die Lage weit ernster als die Umweltabteilung des Landes und steht der Verwendung von recycletem Asphalt sehr kritisch gegenüber. "In Schutzgebieten lehnen wir das streng ab. Dort sollte es absolut tabu sein", erklärt der stellvertretende Landesumweltanwalt Walter Tschon. Er sieht bei der entsprechenden Qualität des wiederaufbereiteten Asphalts zwar keine akute Gefahr für Wasser oder Natur. Doch versiegelte Flächen, wie sie auch wiederaufbereiteter Asphalt bildet, haben aus Tschons Sicht viele Nachteile. So kann etwa das Wasser bei starken Regenfällen nicht mehr versickern. Überschwemmungen werden damit begünstigt.

 

   Ob Recycle-Asphalt auf Waldwegen nun tatsächlich negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wird sich wohl erst in vielen Jahren zeigen. Recycletem Asphalt und seinem typischen Asphaltgeruch begegnen aber viele Wanderer auf ihren Touren durch die Natur.





Quellennachweis:  "Tiroler Tageszeitung" Nr. 126 vom 08.05.2011             Seite: 10 
-------------- nächster Teil --------------
Ein Dateianhang mit HTML-Daten wurde abgetrennt...
URL: <http://mond.at/pipermail/wienerwaldkonferenz/attachments/20110509/c9118307/attachment-0001.htm>
-------------- nächster Teil --------------
Ein Dateianhang mit Binärdaten wurde abgetrennt...
Dateiname   : Asphaltstrassen im Biosphärenpark.jpg
Dateityp    : image/jpeg
Dateigröße  : 34702 bytes
Beschreibung: nicht verfügbar
URL         : <http://mond.at/pipermail/wienerwaldkonferenz/attachments/20110509/c9118307/attachment-0002.jpg>
-------------- nächster Teil --------------
Ein Dateianhang mit Binärdaten wurde abgetrennt...
Dateiname   : J.Schöffel-klein2.jpg
Dateityp    : image/jpeg
Dateigröße  : 530894 bytes
Beschreibung: nicht verfügbar
URL         : <http://mond.at/pipermail/wienerwaldkonferenz/attachments/20110509/c9118307/attachment-0003.jpg>


Mehr Informationen über die Mailingliste Wienerwaldkonferenz